Frauen mit Kinderwägen aus dem DP-Lager Landsberg, 1945-50
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Unser Mut

Juden in Europa 1945-48 / 01.04.2020 - 13.09.2020

Im Mittelpunkt der ersten Wechselausstellung zur Wiedereröffnung des Jüdischen Museums stehen jüdische Erfahrungen von Flucht und Vertreibung im Europa der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Schau bespielt das gesamte neue Wechselausstellungs-Areal im Untergeschoss des neuen, von Staab Architekten entworfenen Lichtbaus.

Von Białystok über Frankfurt nach Amsterdam, von Berlin über Budapest nach Bari: Zum ersten Mal beleuchtet eine Ausstellung jüdische Zeitgeschichte in den Jahren nach der Schoa in einer gesamteuropäischen Perspektive. Der Titel dieser Ausstellung "Unser Mut" erinnert an dem Namen der Zeitung, die im Displaced Persons Camp Frankfurt-Zeilsheim herausgegeben wurde und ist zugleich Programm: die Ausstellung erzählt jüdische Geschichten von Flucht, Erinnerung und Selbstermächtigung sowie vom Aufbau eines neuen Lebens nach der Schoa.

Frauen mit Kinderwägen aus dem DP-Lager Landsberg, 1945-50
Frauen mit Kinderwägen aus dem DP-Lager Landsberg, 1945-50, Foto: United States Holocaust Memorial Museum, Washington, DC

"Unser Mut: Juden in Europa 1945-48" beginnt mit einem Blick zurück auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und erinnert daran, dass jüdisches Leben vielerorts prägend für den europäischen Kontinent war. Die Ausstellung erzählt anhand von ausgewählten Städten und individuellen Lebensentscheidungen und -ereignissen, wie die Überlebenden auf die Gewalt der europäischen Nachkriegsjahre reagierten und ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen: Sie suchten nach ihren überlebenden Familienangehörigen und schufen neue Netzwerke. Sie versuchten vielerorts, die zerstörten jüdischen Gemeinden aus der Vorkriegszeit wieder aufzubauen oder sich auf die Ausreise in außereuropäische Länder, insbesondere nach Eretz Israel vorzubereiten. Sie dokumentierten nationalsozialistische Verbrechen und kämpften gegen den Antisemitismus, der ihnen bei der Rückkehr an ihre vormaligen Wohnorte und andernorts entgegenschlug.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen in Europa reflektiert die Ausstellung die unmittelbare Nachkriegszeit nicht nur als Geburtsstunde der europäischen Idee und zeigt, wie diese in den Biographien überlebender Jüdinnen und Juden an Kontur gewann. Sie macht auch deutlich, dass in der Nachkriegszeit unter anderem von jüdischen Emigrantinnen und Emigranten völkerrechtliche Begriffe, Perspektiven und Abkommen entwickelt wurden, die bis heute gültig sind.

Konferenz und Katalog

Gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, dem Fritz Bauer Institut und der Goethe-Universität veranstaltete das Jüdische Museum im Dezember 2017 die Konferenz "Building from Ashes. Jews in Postwar Europe (1945-1950)". 15 internationale Wissenschaftler*innen präsentierten dabei ihre Forschungen zu jüdischem Leben in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Ausstellungskatalog baut auf dieser Konferenz auf und präsentiert zehn wissenschaftliche Beiträge, mehrere Stadt- und Personenporträts sowie zahlreiche Abbildungen. Er erscheint im Verlag De Gruyter sowohl in einer deutschen als auch in einer englischen Version.

Dank

Ausstellung, Konferenz und Katalog werden gefördert von:
Daimler
Kulturstiftung des Bundes
Hessische Kulturstiftung
Hannelore Krempa Stiftung
Nicolaus und Christiane Weikert
Gemeinnützige Hertie Stiftung
Stiftung Polytechnische Gesellschaft
European Association for Jewish Studies

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum Frankfurt

Heute geschlossen

  • Eintrittspreise noch offen

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