Foto von Kinderbüchern in der Bibliothek des Jüdischen Museums Frankfurt

Empfehlungen des Museumsteams für den Lockdown

Bücher, Filme, Serien und mehr
Porträt von Korbinian Böck
15. Dezember 2020Korbinian Böck

Bereis im Frühjahr 2020 haben wir eine Social Media-Beitragsserie mit Medienempfehlungen aus dem Museumsteam gestartet: mit Filmen, Serien, Büchern, Musiktipps und mehr. Nun, im zweiten Lockdown, setzen wir diese Empfehlungen fort. Dieser Blogbeitrag wird damit laufend ergänzt.

Tipps für einen jüdischen Film- und Serienmarathon

Porträt von Sara Soussan
Unsere Kuratorin für Jüdische Kulturen der Gegenwart Sara Soussan einige Links zu jüdischem Film- und Seriencontent zusammegetragen.

Zu Einstieg in die Thematik hat unsere Kuratorin für Jüdische Kulturen der Gegenwart Sara Soussan einige Links für Euch zusammegetragen:

  • Chaiflicks bietet eine breite Spanne von Filmen mit jüdischer Thematik: https://www.chaiflicks.com/browse
  • Auch bei Jewflix findet man Filmempfehlungen und wird dann zu den jeweiligen Anbietern weitergeleitet. http://www.jewflix.org/
  • Wer sich an einer Playlist orientieren möchte, findet in dieser Hitliste Empfehlungen: https://t1p.de/dhbo
  • Und wer es noch spezifischer für den Lockdown möchte, kommt an diesen Tipps nicht vorbei: https://t1p.de/0gnb
  • Und mein persönlicher Serien-Favorit? Natürlich die Shtisels! Die 3. Staffel soll demnächst auf Netflix verfügbar sein. https://youtu.be/WALuOpZjwdE 
  • Und wenn Ihr dann alle Filme und Serien geschaut habt, wäre vielleicht etwas frische Luft und Bewegung angebracht. Beides findet Ihr bei einer Wandertour durch's jüdische Frankfurt: https://t1p.de/6zxa

Viel Spaß beim cineastischen und spazierenden Erkunden jüdischer Kulturen!

Sachbuch über Antisemitismus in der deutschen Sprache

Manfred Levy neben Buchcover von Ronen Steinke
Manfred Levy, Leiter unseres Bildungsbereichs, empfihelt das Buch "Antisemitismus in der Sprache" von Ronen Steinke.

Mischpoke, mauscheln, schachern – jiddische Wörter wie diese sind Teil der deutschen Alltagssprache geworden. Doch ihre Bedeutung ist oft negativ besetzt. Wie kommt‘s? Der Journalist Ronen Steinke erklärt in seinem Buch "Antisemitismus in der Sprache", wie einst neutrale Bezeichnungen später judenfeindlich aufgeladen wurden und macht sich für sprachliche Sensibilität stark. Manfred Levy aus unserem Bildungsbereich hat das Buch für Euch gelesen:

"Das Wort Mischpoke bedeutete im Jiddischen, das vor 100 Jahren noch zehn Millionen Menschen sprachen, Familie – 'mischpoche'. Ein neutraler Begriff, weder positiv noch negativ. Eingedeutscht bekommt er aber einen düsteren Beiklang, die Anrüchigkeit einer verschworenen Gemeinschaft. An diesem Beispiel ist also ein Bedeutungswandel festzustellen, der damit zusammenhängt, dass ein bestimmtes Bild von Jüdinnen und Juden abgefärbt hat – eine antisemitische Bedeutungsverschiebung.

Schachern hat seine Wurzel im Jiddischen sachern, was wertfrei 'Handel treiben' bedeutet. Im Duden wird das Wort erklärt als 'abwertend für feilschend handeln' und wird so auch im deutschen Sprachalltag genutzt. Ein weiteres Beispiel: Das Wort Mauscheln kommt vom früheren deutschen Wort für 'Moses', hat aber den gleichen abwertenden Beiklang wie das rassistische 'Ali' als Bezeichnung für Türk*innen und türkeistämmige Menschen.

Seit 1700 Jahren existiert jüdisches Leben in Deutschland – länger als das Christentum. Aber die Bibel der Juden wird von Nicht-Juden immer noch als das 'Alte Testament' bezeichnet – im christlichen Sinne von überwunden, nicht mehr gültig. Für die Juden ist es die Tora, der Kern ihrer Religion, der heute genau wie vor Tausenden Jahren gültig ist und nichts von seiner Aktualität verloren hat .

Der Autor Ronen Steinke, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, trägt mit einem fein erklärenden, gut gegliederten Büchlein, das mit mancher sprachlichen Überraschung aufwartet, zur derzeitigen Debatte über Antisemitismus bei. Die Lektüre der 63 Seiten hinterlässt bleibenden Eindruck: Manches gebräuchliche Wort bleibt Lesern demnächst vielleicht in der Kehle stecken."

Ronen Steinke: Antisemitismus in der Sprache, Duden Verlag, 63 Seiten, 8 €.

Vaybertaytsh: Ein feministischer Podcast für Jiddisch-Lernende und Neugierige

Logo des Podcasts Vaybertaytsh
Unser freier Mitarbeiter Dennis Eiler empfiehlt den feministischen Jiddisch-Podcast "Vaybertaytsh".

Unser freier Mitarbeiter Dennis Eiler hat eine Podcastempfehlung für Euch: Vaybertaytsh – ein feministischer Podcast für Jiddisch-Lernende und Neugierige.

"Eigentlich bezeichnet Vaybertaytsh eine bestimmte Schriftart für das jiddische Alphabet, die in der altjiddischen Literatur üblich war und später vor allem in Texten für und von Frauen Verwendung fand. Als junge Jiddisch-Lernerin hat Sandy (Sosye) Fox weibliche Stimmen zur Orientierung vermisst und deshalb in der Tradition feministischer Radio-Sendungen der 1960er und 70er Jahre den Podcast ‚Vaybertaytsh‘ ins Leben gerufen. Hier kommen vor allem Frauen und queere Menschen zu Wort, erzählen aus ihrem Leben und diskutieren auf Jiddisch über Angelegenheiten wie Identität, Sexualität, Familie und vieles mehr.

Die Sendungen sind von Lernenden für Lernende gemacht, aber auch geneigten deutschsprachigen Hörer*innen kann ich den Podcast  ans Herz legen. Auf der Website findet man einen weiterführenden Blog, Transkripte und Lernmaterialien, z.B. in Form von Vokabellisten. Wer möchte, kann sich sogar zum ‚digitalishn Shmueskrayz‘ anmelden und sich online mit Jiddischisten aus der ganzen Welt verbinden!"

Hier der Link zum Podcast: http://www.vaybertaytsh.com

 

Roman über einen jüdisch-polnischem Emigranten in Argentinien

Buchcover zu Santiago Amigorena, Kein Ort ist fern genug
Santiago Amigorena, Kein Ort ist fern genug

Hier kommt eine Buchempfehlung der Literaturhandlung im Jüdischen Museum: Santiago Amigorena, Kein Ort ist fern genug.

In diesem autobiografischen Roman erzählt Santiago Amigorena die Geschichte seines Großvaters: Vincente Rosenberg verlässt in den späten 1920er-Jahren Warschau, um in Buenos Aires ein neues Leben zu beginnen. Er führt ein Möbelgeschäft, lernt seine Frau kennen und bekommt zwei Kinder. Ein "normales", modernes Leben, das er sich in der Hauptstadt Argentiniens zu führen erhofft. Weit weg von der ihm so fremd gewordenen jüdischen Welt, auf die er beinahe schamhaft zurückblickt. Weg von den Zwängen der Familie, der überfürsorglichen Mutter, die sich in den Briefen an Ihren Sohn stehts sehnsüchtig nach ihm erkundigt, mit Liebe überschüttet und gekränkt auf die seltenen Rückantworten des Sohnes reagiert.

Mit Beginn des Krieges in Europa 1939 werden die Nachrichten, die er von der Mutter aus Polen erhält, immer seltener. Anfangs noch froh über die Distanz zur überbordenden Fürsorge der Mutter, werden die Schuld- und Schamgefühle mit jedem weiteren Brief, der Vincente aus der alten Heimat noch erreicht, immer größer. Die wenigen Nachrichten berichten vom Hunger, der Gewalt und den Exzessen denen die Familie tagtäglich im Warschauer Ghetto ausgesetzt ist. Vincente wird vor Sorge und Schuldgefühlen zum Schatten seiner selbst. Ihm fehlen die Worte diese Gefühle auszudrücken, bis er schließlich komplett verstummt.

Vincente, dem sein Jüdischsein wie vielen Juden damals nie sonderlich wichtig gewesen war, zeigen die Nazis, dass ihn nur eines charakterisiert: sein Jüdischsein. "Es war plötzlich das Einzige, was zählte", stellt der Autor fest.

Ein Buch, das präzise und feinfühlig von der belastenden Schuld und dem Seelenleben eines Überlebenden berichtet. Das Buch bekommt ihr, nur einen Klick entfernt, im Onlineshop der Literaturhandlung.

DVD über drei Fotografinnen

Heike Drummer neben DVD-Cover
Unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Heike Drummer empfiehlt die DVD "Drei Fotografinnen. Drei Filmporträts" von Antonia Lerch.

Im Herbst 2020 wurde unter dem Hahstag #femaleheritage an Frauen erinnert, die in verrschiedenen gesellschaftlichen Bereichen Bedeutendes geleistet haben, heute aber in der Regel vergessen sind. Zu ihnen zählen auch Fotografinnen. Anlass für unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Heike Drummer, eine DVD-Produktion vorzustellen, die berührende Einblicke in drei Karrieren bietet.

"In den 1920er Jahren entdeckten Frauen zunehmend das Medium Fotografie und die dazugehörigen Berufsfelder: Kunst, Journalismus, Reportage. Darunter waren viele Jüdinnen, die sich die Fotografie häufig als Autodidaktinnen erschlossen.

Die Frankfurter Künstlerinnen, wie z.B. Ilse Bing oder die Schwestern Nini & Carry Hess, fühlten sich mehrheitlich der Moderne verpflichtet, suchten als Frauen Eigenständigkeit und ökonomische Unabhängigkeit. Ihre so vielversprechend begonnenen Karrieren endeten 1933 mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Sie wurden verfolgt, der wirtschaftlichen Existenz beraubt, vertrieben, deportiert, ermordet. Ihre Lebensgeschichten und Werke gerieten nach dem Zweiten Weltkrieg vielfach in Vergessenheit.

Die Berliner Dokumentarfilmerin Antonia Lerch besuchte 1992 die aus Frankfurt stammende Fotografin Ilse Bing in New York, außerdem Grete Stern in Buenos Aires und Ellen Auerbach, geb. Rosenberg, in New York; letztere zwei Fotografinnen betrieben bis 1933 gemeinsam das Fotostudio „ringl + pit“ in Berlin. Die stillen Porträts, gefilmt in den Privatwohnungen, sind inzwischen bedeutende Zeugnisse. Trotz ihres damals schon hohen Alters hatten sich die drei Künstlerinnen ihre große Leidenschaft für das Medium Fotografie bewahrt. Die im Film präsentierten Bilder und Negative, liebevoll aufbewahrt in Schachteln und Regalen, lassen uns intim teilhaben an Geschichten des 20. Jahrhunderts, an den persönlichen Folgen des Zivilisationsbruchs und an dem ästhetischen Credo von Ilse Bing, Grete Stern und Ellen Auerbach."

Drei Fotografinnen, Drei Filmporträts von Antonia Lerch, arte-Edition

Stoppt den Judennhass

Manfred Levy neben Buchcover
Manfred Levy, Leiter unseres Bildungsbereichs, empfiehlt das Buch "Stoppt den Judenhass!" von Sigmund Gottlieb, ehemaliger Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens.

"Stoppt den Judenhass!" heißt ein Buch, das der frühere Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens kürzlich veröffentlicht hat. Manfred Levy, Leiter unseres Bildungsbereichs, hat es gelesen:

"Die zunehmende Feindseligkeit, die Jüdinnen und Juden in Deutschland entgegenschlägt, lässt sich durch beschwichtigende Sonntagsreden nicht aus der Welt schaffen. Antisemitismus macht sich auf schleichende, bedrohliche Weise in der Mitte der Gesellschaft breit und wird immer offener kommuniziert.

Sigmund Gottlieb, ehemaliger Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, richtet seinen flammenden Weckruf daher an die breite Bevölkerung: Steht auf – nicht nur gegen rechtsradikale Gewalttaten und Islamismus, sondern auch gegen Hass in den sozialen Medien, gegen die ständige unterschwellige oder ziemlich laute Kritik am Staat Israel (warum kann ich den Begriff Israel-Kritik googeln, nicht aber Syrien- oder China-Kritik?), gegen antijüdische Schimpfworte auf dem Schulhof, gegen verharmlosende Berichte in den Medien und gegen die alltägliche Gleichgültigkeit.

Das Buch ist ein Fanal gegen Gleichgültigkeit und Wegsehen. Somit regt es zur Reflexion über eigene Vorurteile und verfestigte Einstellungen an."

Null Motivation: Israelischer Coming-of-Age Film

Valentino Massoglio neben Filmplakat zu "Null Motivation"
Unser Bibliothekar Valentino Massoglio empfiehlt den israelischen Coming-of-Age Film "Null Motivation".

"Null Motivation" heißt ein neuer israelischer Film voll komischer Lethargie, der es geschafft hat unseren Bibliothekar Valentino Massoglio zumindest kurzzeitig aus der Corona-Fatigue herauszuholen.

"Die beiden Freundinnen Zohar und Daffi leisten ihren Wehrdienst beim israelischen Militär in einem Verwaltungsbüro einer Militäreinrichtung ab. Weitab vom Sehnsuchtsort Tel Aviv müssen Sie im staubigen Nirgendwo Kaffee kochen, Papiere schreddern und ihre nervigen Kolleginnen ertragen. Während Zohar versucht den nächsten Weltrekord im Minesweeper zu knacken, schreibt Daffi dem Stabschef mit der Bitte um Versetzung nach Tel Aviv. Als eine neue Dame auf der Basis auftaucht ist Daffie felsenfest davon überzeugt, dass es ihre Ablöse sein muss.

Die Regisseurin, Drehbuchautorin und Comic-Künstlerin Talya Lavie hat in diesem herausragenden Coming-of-Age Film ihre eigene Militär-Zeit verarbeitet und erzählt dabei mit lakonischem Witz vom Erwachsenwerden ihrer Protagonistinnen. Dabei nimmt sie eine dezidiert weibliche Perspektive ein, Männer haben in diesem israelischen Publikumshit nur eine Nebenrolle."

"Null Motivation" hat den Hauptpreis beim Tribeca Film Festival gewonnen und ist auf DVD in Hebräisch mit deutschen Untertiteln erhältlich. Hier gehts zum Trailer.

Film über ein geraubtes Klimtgemälde: Die Frau in Gold

Theresa Gehring aus unserem Kommunikationsbereich
Theresa Gehring aus unserem Kommunikationsbereich empfiehlt "Die Frau in Gold" über ein geraubtes Klimt-Gemälde.

Es gibt Spielfilme denen man die Freiheit der gedichteten Erzählung  gegenüber den tatsächlichen Geschehnissen sehr leicht verzeiht.  Zu diesen Filmen zählt Theresa Gehring aus unserem Kommunikationsbereich "Die Frau in Gold", der die Geschichte um die Rückgabe des berühmten Klimt-Gemäldes der Adele Bloch-Bauer an Maria Altmann, ihre Nichte, schildert.

„Als die Nationalsozialisten 1938 in Österreich einmarschieren, beginnt auch für die dortige jüdische Bevölkerung ein unbarmherziger Albtraum. Wer kann, verlässt das Land.  So auch das Ehepaar Maria und Fredrick Altmann, das in die USA flieht und deren zahlreiche Besitztümer von den Nazis konfisziert werden. Mehr als 50 Jahre später hat Maria (gespielt von einer sehr ausdrucksstarken Helen Mirren) ein glückliches Leben aufgebaut und will mit der Vergangenheit nichts weiter zu tun haben. Das ändert sich schlagartig, als Maria nach dem Tod ihrer Schwester auf Briefe stößt, die sie veranlassen, das zurückzufordern, was ihr bzw. ihrer Familie gehört. Gemeinsam mit dem befreundeten Anwalt Randol Schoenberg reist sie deshalb in ihre alte Heimat nach Wien und damit gleichzeitig in ihre lange Jahre verdrängte Vergangenheit.

Der Film entführt die Zuschauer durch das geschickte Einsetzen von Flashbacks, die Maria an den jeweiligen Orten des jetzigen Wiens ereilen, in das Wien vor ihrer Flucht und entspinnt dadurch nach und nach die Geschichte um das berühmte Adele Bloch-Bauer Bild. Schnell wird klar, dass Marias Vorhaben das Bild in den Familienbesitz zurückzuführen, viele Hürden mit sich bringt. Ob der Kampf Marias gemeinsam mit ihrem Anwalt gegen die Republik Österreich gelingt, bleibt bis zur letzten Minute des Films spannend.“

Hier gehts zum Trailer.

Geschichten für jüdische Kinder

Valentino Massoglio
Valentino Massoglio, Mitarbeiter in unserer Bibliothek und dem Archiv, empfiehlt Mendel Rosenbusch – Geschichten für jüdische Kinder von Ilse Herlinger.

Valentino Massoglio, Mitarbeiter in unserer Bibliothek und dem Archiv, hat eine Kinderbuchempfehlung für Euch: Mendel Rosenbusch – Geschichten für jüdische Kinder von Ilse Herlinger.

"Die berühmte Lyrikerin und Kinderschriftstellerin Ilse Weber (geb. Herlinger) hat 1929 diese Sammlung poetischer Kindergeschichten rund um den alten Mendel Rosenbusch veröffentlicht. Angesiedelt in einem jüdischen Viertel eines mährischen Dorfes werden elf Abenteuergeschichten erzählt, die die Kinder des Dorfes erleben und in denen der umtriebige Mendel Rosenbusch seine übernatürliche Gabe einsetzt, um die Erwachsenen mal mehr, mal weniger rabiat zum guten Handeln zu bewegen.

Auch neunzig Jahre nach ihrem erstmaligen Erscheinen besitzen Herlingers Erzählungen eine wunderschöne Bildsprache und eignen sich hervorragend zum Vorlesen. Jüdische Begrifflichkeiten und Traditionen werden einfach und beiläufig erklärt, so dass sie sich auch für Kinder eignen, die damit nicht so vertraut sind. Die Ausgabe ist jetzt erstmalig zweisprachig in Deutsch und Hebräisch erschienen und erfüllt damit posthum den Wunsch Herlingers nach einer Übersetzung der Geschichten ins Hebräische. Das im kleinen Gans-Verlag erschienene Buch ist mit eindrücklichen Zeichnungen von Özgür Erkök Moroder illustriert und besitzt ein informatives Nachwort der Kinder- und Jugendbuchforscherin Annegret Völpel zur historischen Einordnung der Erzählungen. Ein rundum tolles Buch für Groß und Klein!"

Ilse Herlinger, Mendel Rosenbusch – Geschichten für jüdische Kinder, Gans Verlag 2020. 978-3-946392-16-3

Der radikale Weg nach Raqqa: Kalifat

Manfred Levy leitet unseren Bildungsbereich
Manfred Levy leitet unseren Bildungsbereich empfiehlt die schwedische Serie "Kalifat".

Manfred Levy leitet unseren Bildungsbereich und hat einen spannenden Serientipp für Euch: Kalifat.

"Als ob das Leben nicht schon aufregend genug wäre, musste ich ausgerechnet auf eine schwedische Fernsehserie klicken, die im deutschsprachigen Raum bei einem großen Streaming-Dienst läuft. Sie handelt von einem Mädchen aus Stockholm, das sich dem sogenannten ‚Islamischen Staat‘ im syrischen Raqqa angeschlossen hat. Angekommen in der Realität in einem von Krieg, Gewalt und Chaos zerstörten Ort, plant die junge Mutter ihre Flucht zurück nach Schweden. Dies gelingt aber nur, wenn sie als Informantin für eine schwedische Polizistin arbeitet, die versucht, Anschlagspläne des IS in Schweden zu verhindern.

So wechselt die Kamera ständig zwischen zwei Schauplätzen: Syrien und Schweden. Wir erfahren, wie junge Leute mit und ohne muslimischen Hintergrund und Kenntnisse über den Islam manipuliert und angeworben werden, wie sie sich radikalisieren. In Raqqa erleben wir einen von gewaltlüsternen Männern dominierten Alltag. Das Paradies auf Erden haben sich die hierher gelockten jungen Frauen anders vorgestellt. Zu Hause leiden ihre Familien, hier blickt die Story sehr genau auf die Hilflosigkeit und die Zerstörungen, die die Entscheidungen der Kinder anrichten. Aber auch auf die Gründe, warum die Einflüsterer und Verführer bei ihnen Erfolg haben.

Warum sich die Serie meiner Meinung nach vom Mainstream unterscheidet? Sie ist fiktiv, aber sie zeichnet ein differenziertes Bild von Radikalisierung und gesellschaftlichen Zuständen in Europa, die diese möglich machen."

Debütroman von Raphaela Edelbauer: "Das flüssige Land"

Kathrin Schön neben dem Buccover von "Das flüssige Land"
Kathrin Schön, die Leiterin unserer Vermittlung, empfiehlt den Roman "Das flüssige Land" von Raphaela Edelbauer.

Kathrin Schön, die Leiterin unserer Vermittlung, hat für uns einen Blick in Ihr Bücherregal geworfen und empfiehlt für die Zeit im Lockdown den Roman "Das flüssige Land" von Raphaela Edelbauer.

"Ende letzten Jahres habe ich den klugen und überraschend unterhaltsamen Debütroman von Raphaela Edelbauer entdeckt. Dessen Protagonistin Ruth Schwarz begibt sich nach dem plötzlichen Verlust ihrer Eltern auf eine turbulente und fantastische Reise zu ihren Wurzeln und zum Heimatort ihrer Eltern. Das Problem: der Ort scheint nicht zu existieren. Wie eine Detektivin rekonstruiert sie aus den Erinnerungen an die Anekdoten und Geschichten ihrer Familie die Spuren, die sie letztendlich an ihr Ziel führen: 'Groß-Einland'.

An diesem skurrilen Ort fallen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in eins. Und obwohl Ruth dort auf Unverständliches und Unausgesprochenes trifft, empfindet sie eine große Nähe und Vertrautheit. Klingt idyllisch, wäre da nicht das unheimliche Loch unter Groß-Einland, das Teile der Altstadt und Ruths neugewonnenes Zuhause zu verschlingen droht...

Für all diejenigen, die in den kommenden Tagen und Wochen zu ihren Familien fahren oder sich für große Feste einfach per Livestream zusammenschalten, ist 'Das flüssige Land' die ideale Lektüre, um sich augenzwinkernd aufs Zuhören und Geschichtenerzählen im Kreise seiner Lieben einzugrooven.“

Film über eine zerbrochene Liebe: Vergiss mein nicht

Marion Rossi, Projektmamagerin des digitalen Projekts METAhub
Marion Rossi, Projektmamagerin des digitalen Projekts METAhub, empfiehlt den Film "Vergiss mein nicht".

Marion Rossi, Projektmamagerin des digitalen Projekts METAhub, empfiehlt den Film "Vergiss mein nicht".

"Kennt Ihr den Film ‚Vergiss mein nicht‘ von Michel Gondry, mit Kate Winslet und Jim Carrey? Der original Titel gefällt mir noch besser als das Deutsche: Eternal sunshine of the spotless mind. Er ist aus dem Jahr 2004, aber das Thema ist zeitlos. Manchmal ist die Erinnerung an eine zerbrochene Liebe so schmerzhaft, dass man lieber vergessen würde. Was wenn es möglich wäre? Aber selbst wenn die Erinnerung aus dem Kopf gelöscht wird, vergisst denn auch das Herz?

Die Art und Weise wie Gondry das Erlöschen von Erinnerung filmisch darstellt, macht aus diesem romantischen Drama ein Kunstwerk."

Hörspiel: Die Katze des Rabbiners

Korbinian Böck neben Cover zu "Die Katze des Rabbiners"
Unser Onlineredakteur Korbinian Böck empfiehlt das Hörspiel "Die Katze des Rabbiners" nach Joann Sfar.

Hier kommt eine Hörspielempfehlung unseres Onlineredakteurs Korbinian Böck:

"Vielleicht kennt der/die ein/e oder andere von Euch die herrlich amüsante Comicbuch-Reihe "Die Katze des Rabbiners" von Joann Sfar? Sie handelt vom Kater eines sephardischen Rabbis, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Algier lebt. Der tierische Protagonist erlangt nach dem Verzehr eines Papageis auf wundersame Weise die Fähigkeit zu sprechen. Mit dem Rabbiner führt er daraufhin allerlei Streitgespräche, studiert die Tora und erlebt diverse Abenteuer.

In der ARD-Audiothek findet Ihr aktuell eine zweiteilige Hörspielfassung der ersten beiden Bände des Comics. Die ist kurzweilig, sehr liebevoll produziert und auch bestens für junge Zuhörer*innen geeinget. Meine Empfehlung!"

Hörspiel Teil1; Hörspiel Teil 2.

Über Kunst und Kultur als Lebens-Mittel: "Frederick" von Leo Leonni

Sabine Paukner neben dem Buchcover von "Frederick"
Unsere freie Mitarbeiterin Sabine Paukner empfiehlt das Buch 'Frederick' von Leo Lionni aus dem Jahr 1967.

Sabine Paukner ist freie Mitarbeiterin für unsere kommende Wechselausstellung Unser Mut. Sie empfiehlt das Buch 'Frederick' aus der Feder des  jüdisch-amerikanischen Grafikers, Malers und Schriftstellers Leo Lionni aus dem Jahr 1967.

"Aus einfachen Bildern entsteht eine große Kraft: In einer uralten Steinmauer leben schwatzhafte Feldmäuse. Weil es bald Winter wird, sammeln sie Nahrungsmittel. Alle Mäuse arbeiten emsig − bis auf Frederick. Der sitzt scheinbar untätig herum. Dabei sammelt Frederick Sonnenstrahlen, Farben und Wörter.

Alsbald kommt der erste Schnee. Viele lange, graue Wintertage folgen. Es wird sehr kalt zwischen den Steinen der alten Mauer und niemand will mehr sprechen. Da fallen den Feldmäusen Fredericks wertvolle [„systemrelevante“] Vorräte ein. Und so lässt dieser Sonnenstrahlen, Farben und Wörter in der dunklen und kalten Zeit für die anderen aufleben. Damit zeigt der Schriftsteller und Illustrator Leo Lionni: Kunst und Kultur sind Lebens-Mittel."

Sigmund Freud - Briefe an die Kinder

Werner Hanak neben dem Buchcover "Unterdeß halten wir zusammen. Sigmund Freud - Briefe an die Kinder"
Werner Hanak empfiehlt das Buch "Unterdeß halten wir zusammen. Sigmund Freud - Briefe an die Kinder"

Unser Stellvertretender Direktor Werner Hanak empfiehlt, auch aus ganz persönlichen Gründen, das Buch "Unterdeß halten wir zusammen. Sigmund Freud - Briefe an die Kinder" (Hrsg. Von Michael Schröter, Berlin: Aufbau Verlag, 2010.)

"In-Verbindung-Bleiben ist in Virus-Zeiten ein großes Thema. Genau darum geht es auch in Sigmund Freuds berührendem Briefverkehr mit seinen sechs Kindern. Hier lernen wir ihn als fürsorglichen Familiennetzwerker bis in die hohen Tage seines Londoner Exils kennen – herzerwärmend und lesenswert. Für mich hält das Buch eine besondere Begegnung mit einem eigenen Kindheitsort bereit: In einem Brief an seine Tochter Mathilde im Juli 1919 berichtet Freud von einem Krankenbesuch. Seine Frau Martha erholte sich im Sanatorium Salzburg-Parsch von der Grippe, die nach dem Ersten Weltkrieg viele Todesopfer gefordert hatte. Genau 50 Jahre später kam ich dort zur Welt – aus dem Sanatorium war längst ein Wohnhaus geworden. Aber erst vor kurzem fand ich heraus, dass es nach 1945 für einige Jahre zu einem Lager für jüdische Displaced Persons gehört hatte. Und zwar als Lungenheilanstalt."

Undercover in Syrien: The Spy

Korbinian Böck neben dem Plakat zur Serie "The Spy"
Unser Onlineredakteur Korbinian Böck empfiehlt die Agentenserie "The Spy".

Unser Onlineredakteur Korbinian Böck empfiehlt die Serie THE SPY:

"Sacha Baron Cohen kannte ich bislang nur in parodistischen und klamaukigen Rollen, sei es als kasachischer Fernsehreporter Borat oder in seiner Ali G Show. In THE SPY spielt er nun den Mossad-Agenten Eli Cohen. Die Serie erzählt die wahre Geschichte um einen israelischen Spion, der sich in den 1960er-Jahren unter falscher Identität Zugang zu den höchsten politischen Kreisen Syriens verschaffte. Eindrucksvoll zeigt die Serie, wie schwierig es dem auf sich allein gestellten Spion fällt, sein Lügengebäude aufrecht zu erhalten und von seiner Familie in Israel getrennt zu sein. Spannende Unterhaltung zum Mitfiebern.“

Die sechsteilige Miniserie Serie ist aktuell bei einem der großen Streamingdienste zu sehen. Einen kleinen Vorgeschmack gefällig? Hier gehts zum Trailer.

Graphic Novel über Hannah Arendt

Franziska Krah neben dem Cover der Graphic Nove über AHnnah Arendt
Franziska Krah, Leiterin des Familie Frank Zentrums, unseres Archivs und der Bibliothek, empfiehlt "Die drei Leben der Hannah Arendt".

Hatte Hannah Arendt Humor? Ganz bestimmt, glaubt man Ken Krimsteins Graphic Novel über die große Denkerin des 20. Jahrhunderts (Ken Krimstein, Die drei Leben der Hannah Arendt., dtv, München 2019). Die empfiehlt Euch Franziska Krah, Leiterin des Familie Frank Zentrums, unseres Archivs und der Bibliothek.

„Krimstein gelingt es, die vielen Facetten von Hannah Arendt als Privatmensch, als leidenschaftliche Denkerin, streitbare Kritikerin und scharfe Beobachterin im Comic zu vereinen. In wunderbar stimmigen Bildern und Texten werden ihre Lebensstationen skizziert und gleichzeitig die Grundlagen ihres Denkens verständlich. Zuletzt war Arendt aufgrund ihres Aufsatzes 'We Refugees' in aller Munde. Was sie 1943 erstmals publizierte, scheint überraschend aktuell zu sein. Darüber hinaus kann auch ihre Kritik am Antisemitismus noch immer erhellen. Mit Krimsteins Comic werden hoffentlich weitere Kreise ermuntert, sich mit Arendts Werk vertraut zu machen."

Für die weiterführende Lektüre lohnt sich neben ihrem Originalwerk übrigens auch die Aufsatzsammlung Arendt und Adorno, herausgegeben von Lars Rensmann u.a.“ Beide Bücher findet Ihr (hoffentlich ab Januar 2021 wieder) in der Bibliothek des Jüdischen Museums.

Sachbuch: Über Rassismus sprechen

Sonja Thäder bene dem Cover von "White Fragility"
Sonja Thäder aus unserer wissenschaftichen Museumsdokumentation empfiehlt "White Fragility. Why it's so hard for white people to talk about Racism".

„"hy it's so hard for white people to talk about Racism". Um diese Frage geht es in der Buchempfehlung von Sonja Thäder, die u.a. zuständig ist für unsere jüngst gelaunchte Onlinesammlung.

"Im vergangenen Herbst kaufte ich in Portland, in einer der „weißesten“ Städte der USA, das Buch ‚White Fragility‘. Es handelt von der Unfähigkeit ‚Weißer‘ über Rassismus zu sprechen. Autorin Robin Diangelo hat damit vor zwei Jahren den Finger auf einen neuralgischen Punkt gelegt, der bis heute in der Rassismusdebatte heruntergespielt wird: Das Festhalten der ‚Weißen‘ an ihren Privilegien, die in den westlichen gesellschaftlichen Strukturen fest verankert sind. Deutlich analysiert Diangelo unsere oberflächliche politisch-korrekte Gleichrednerei, die bei der leisesten Kritik seitens rassistisch Benachteiligter sehr schnell in Systemrechtfertigung und Ablehnung eigener Verantwortung umschlägt.

Über Diskriminierung will keine/r reden, wenn er/sie selbst Teil und Nutznießer dessen ist. Und das sind in Europa und USA alle als ‚weiß‘ definierten Menschen (je homogener die Nachbarschaft ist, desto willkürlicher wird die Zuschreibung). Die Untersuchung von Diangelo, Professorin für Kritische Diskursanalyse, ist also mehr als notwendig. Denn so lange wir uns unserer Verantwortung nicht stellen und nicht auf diese – uns oft unbewussten – Privilegien zugunsten der Gleichberechtigung aller verzichten, wird Rassismus mit seinen katastrophalen Folgen nicht verschwinden."

Robin Diangelo, White Fragility. Why it's so hard for white people to talk about Racism, Beacon Press Boston 2018. Ein deutschsprachiges Interview mit der Autorin findet Ihr hier.

 

Mutmachsong von Ishay Ribo

Unsere Kuratorin für Jüdische Gegenwartskulturen, Sara Soussan, empfihelt den Song "Haboker Yaaleh" von Ishay Ribo.

In Zeiten wie diesen können viele Menschen jede Aufmunterung gebrauchen. Unsere Kuratorin für Jüdische Gegenwartskulturen, Sara Soussan, empfiehlt daher "Haboker Yaaleh" von Ishay Ribo. Nach ihm ist das säkulare wie religiöse israelische Publikum im Moment völlig verrückt. Ishay Ribo ist ein französich-israelischer Popmusiker, der religiöse Lyrik mit eigenen Texten kombiniert. So heißt es in diesem Lied:

"Der Morgen wird aufsteigen, die Sonne aufgehen,
die Vögel werden, wie in den Geschichten, Lob singen,
die Schönheit wird offenbar, so oder so,
am Ende wird sich alles regeln,
zum Guten, zum Allerbesten!"

Von New York nach Berlin: Unorthodox

Filmstill aus der Serie "Unorthodox"
Filmstill aus der Serie "Unorthodox", die Manfred Levy, Leiter unseres Bldungsbereichs, empfiehlt.

Manfred Levy leitet unseren Bildungsbereich. Gegen drohende Langeweile weiß er ein Gegenmittel: die Serie ‚Unorthodox‘ – eine Geschichte von Fesseln und Freiheit.

"Wie wäre es mit einem voyeuristischen Blick durchs Schlüsselloch in eine existierende, blühende, aber verschlossene Welt im Judentum? Wer kennt schon die ultraorthodoxe Gemeinde der Satmarer Chassiden in Williamsburg, New York City, die innerhalb ihrer ganz eigenen Gesetze und Vorschriften lebt? Die Autorin Deborah Feldman ist dort aufgewachsen und als junge Frau aus dieser engen Welt ausgebrochen. Diese Geschichte erzählt ihr Bestseller "Un-Orthodox", an den sich die gleichnamige Miniserie anlehnt. Ja, anlehnt, denn Leser*innen des Buchs werden sich an manchen Stellen die Augen reiben, da das Drehbuch sich sehr viele Freiheiten erlaubt.

Mir gefällt die ungemein authentisch und aufwändig inszenierte Produktion sehr gut und es gelingt ihr offenbar, ihr Publikum zu faszinieren und zu informieren. Damit keine falschen Bilder entstehen, sollte man aber wissen, dass die hermetisch abgeschlossen lebenden Satmarer mit ihren starren Rollenbildern innerhalb des Judentums eine absolute Außenseiterrolle spielen und zum Beispiel den Staat Israel vehement ablehnen. Ich empfehle nicht nur die Serie, sondern auch das Making of, das Antworten auf viele Fragen gibt, die sich beim Zuschauen stellen.“

Die vierteilige Miniserie ist bei einem bekannten Streamingdienst verfügbar. Hier geht es zum Trailer.

Expressionistisch inspirierter Postpunk

Eriek Riedel neben dem Plattencover der Band Mayflower Madame
Erik Riedel, Leiter unseres Ludwig Meidner-Archivs, empfiehlt das Lied "Luedig Meidner" der norwegischen psychadelic post-punk Band Mayflower Madame.

Erik Riedel, Leiter unseres Ludwig Meidner-Archivs, hat eine musikalische Empfehlung für Euch:

"Anfang 2020 erschien das Album 'Prepared for a nightmare' der norwegischen psychadelic post-punk Band Mayflower Madame. Darauf findet Ihr unter anderem den Titel 'Ludwig Meidner‘. Text, Musik und das zugehörige Musikvideo sind von den apokalyptischen Landschaften des Expressionisten inspiriert. Mit seinem treibenden Rhythmus und halligen Klang erinnert das Lied tatsächlich an die Weltuntergangsbilder des jüdischen Künstlers.

Trond Fagernes, der Sänger und Gitarrist der Band, ist bei seinem Studium der Kunstgeschichte auf Meidner aufmerksam geworden und seitdem ein Fan seiner Bilder. Die Album-Tournee der Band durch die USA musste zwar wegen Corona abgesagt werden, das Album ist aber als CD oder online erhältlich." Hören könnt Ihr 'Ludwig Meidner' hier.

Kinderbuch: Opa und der Hundeschlamassel

Sophie Schmidt neben dem Buchcover von "Opa und der Hunde-Schlamassel"
Sophie Schmidt aus unserer Bildungsabteilung empfiehlt das Kinderbuch "Opa und der Hunde-Schlamassel".

Sophie Schmidt aus unserer Bildungsabteilung ist unter anderem zuständig für die Lernangebote in unserer Museumbibliothek. Dort haben wir eine schöne Auswahl an Kinder- und Jugendliteratur für Euch.

"Mögt ihr lieber Hunde oder Katzen? Für Zelda, die 10-jährige Hauptfigur im Roman 'Opa und der Hundeschlamassel', ist die Antwort glasklar: Sie will unbedingt einen Hund haben. Nur ihre Eltern wollen das nicht so ganz verstehen. Dabei hat Zelda schon genug andere Sorgen: Nach einem Umzug von New York aufs Land muss sie neue Freunde finden. Ihr kleiner Bruder ist ihr peinlich und dann gibt es noch Opa Ace mit seinen vielen jiddischen Ausdrücken und verschrobenen Ideen. Aber vielleicht ist seine Idee doch gar nicht so übel, um ihre Eltern von einem Hund zu überzeugen...
Die humorvolle und doch tiefgründige Geschichte bietet sich wunderbar an zum Vorlesen für die ganze Familie."

"Opa und der Hunde-Schlamassel“ (ab 8 Jahren) von Erica S. Pearl, Ariella-Verlag, 2012.

Hörspiel nach Jonathan Safran Foer

Korbinian Böck neben Buchcover von "Alles ist erleuchtet"
Unser Onlineredakteur Korbinian Böck empfiehlt das Hörspiel "Alles ist erleuchtet".

Möft Ihr gerne Hörspiele? Hier eine weitere Empfehlung unseres Onlineredakteurs Korbinian Böck:

"Ein junger Mann aus den USA begibt sich auf eine Reise in die eigene Familiengeschichte: in der Ukraine sucht er die Heimat seines verstorbenen Großvaters, ein Schtetl mit Namen Trachimbrod. Im Gepäck hat der Protagonist von 'Alles ist erleuchtet' nach dem gleichnamigen Roman von Jonathan Safran Foer das vergilbte Foto einer Frau namens Augustine. Sie, so hofft er, könnte ihn der Geschichte seines Großvaters näher bringen. Denn sie war es, die den Großvater vor dem Terror der Nazis im Zweiten Weltkrieg rettete. Begleitet wird der junge Mann von einem älteren einheimischen Reiseführer und dessen Enkel, der den Übersetzer macht.

Der mitunter schräge Roadtrip der drei Männer wird in der Buchvorlage wie auch im Hörspiel immer wieder unterbrochen durch Rückblenden in die märchenhaft geschilderte Welt des Schtetls, die mit dem Einmarsch deutscher Truppen 1942 abrupt zerstört wird. Eine komische, schöne, bewegende Geschichte!"

Jonathan Safran Foer: Alles ist erleuchtet. Das Hörspiel findet Ihr in der ARD-Audiothek. Teil1; Teil2

Starke historische Frauenfiguren

Theresa Gehring neben dem Cover von "Wenn Du geredet hättest, Desdemona"
Theresa Gehring aus unserem Kommunikations- und Marketingbereich empfiehlt das Buch "Wenn Du geredet hättest, Desdemona".

Eine Empfehlung von Theresa Gehring aus unserem Marketing-Bereich:

"In ihrem Buch 'Wenn Du geredet hättest, Desdemona' überlegt sich die Autorin Christine Brückner, welche Reden die Frauen von berühmten Männern gehalten haben könnten. Entstanden ist dabei eine originelle und geistreiche Sammlung von vierzehn Monologen großer Frauen. Obwohl die Reden fiktiv sind, beeindruckt immer wieder das inhaltliche und sprachliche Einfühlungsvermögen der Autorin. Beleuchtet werden in den einzelnen fiktiven Reden nicht nur das Verhältnis von Mann und Frau von der Antike bis zur heutigen Zeit, sondern auch die Situationen, in denen die jeweilige Rede gehalten worden wäre. Jede Rede für sich erhellt den/die Leser*in mit Einblicken in die potenziellen Gedanken dieser starken Frauen, bei gleichzeitiger Einordung des historischen Umfelds. Eine gute Lektüre für Zwischendurch – geistreich, kurzweilig und lautstark."

Christine Brücker: Wenn Du geredet hättest, Desdemona, Hoffmann und Campe, 2017.

Knalljarte Action aus Israel: Fauda

Plakat zur Serie Fauda
Manfred Levy, Leiter unseres Bildungsbereichs, empfiehlt die israelische Action-Thriller-Serie "Fauda".

Manfred Levy, Leiter unseres Bildungsbereichs, empfiehlt die israelische Action-Thriller-Serie "Fauda – jetzt herrscht wieder Chaos!"

"Dieses Jahr lief die dritte Staffel der israelischen TV-Serie Fauda an. Der Titel bedeutet auf Arabisch Chaos, im israelischen Geheimdienst dient das Wort als Warnung, wenn eine Tarnung auffliegt. In den zwölf neuen Folgen dreht sich alles um den israelisch-arabischen Konflikt, der Stoff für diverse Serienthriller bietet. Seit der ersten Staffel kennen wir die Mitglieder einer israelischen Undercover-Eliteeinheit des Militärs, die im Westjordanland und im Gaza-Streifen operiert. Die Macher der Serie greifen auf bewährte Spannungsrezepte zurück: harte Action, komplizierte Liebesaffären, klischeehafte Männerfreundschaften und verführerische Protagonistinnen. Die Aufzählung lässt sich beliebig verlängern: unfähige Chefs, korrupte Politiker, mordlustige Terroristen…

Wo Protagonist Doron Kavillio ist, herrscht das Chaos. Gespielt wird der Grenzgänger von Lior Raz, der die Idee zur Serie mit dem Journalisten Avi Issacharoff entwickelt hat. Beide schöpfen aus ihrer Erfahrung: Sie haben früher für eine Spezialeinheit des israelischen Militärs gearbeitet, die oft verdeckt in den Palästinensergebieten operierte. Das ist auch die Aufgabe von Kavillio und seinem Team. Allerdings wird einem Angst und Bange bei der Vorstellung, dass Leute wie diese Truppe für die Sicherheit Israels zuständig wären. Doron und seine Freunde handeln allzu gern nach Gefühl, missachten Befehle, rennen anscheinend zielsicher ins Verderben. Daraus resultiert aber ständige Hochspannung, die dafür sorgt, dass die riesigen Logiklöcher übersehen werden. Faszinierend an Fauda sind die authentischen Drehorte und die offensichtliche Spielfreude der Schauspieler. Zwar ist die Perspektive eine rein israelische, es wundert schon, dass die Palästinenser immer nur zweite Sieger sind. Da Szenen immer wieder komödiantische, sogar skurrile Züge zeigen, wollen wir nicht allzu streng urteilen und uns einfach über spannende, gut gemachte Unterhaltung freuen."

Den Trailer zur Serie findet Ihr hier.

Frankfurt im Nationalsozialismus: Hans Fricks "Die Blaue Stunde"

Valentino Massoglio neben dem Buchcover von "Die Blaue Stunde"
Valentino Massoglio, Mitarbeiter in unserer Bibliothek und dem Archiv, empfiehlt Hans Fricks Buch "Die blaue Stunde".

Der Autor Hans Frick ist manchen Frankfurter*innen sicherlich ein Begriff. Valentino Massoglio, Mitarbeiter in unserer Bibliothek und dem Archiv, empfiehlt sein Buch "Die blaue Stunde".

"In dem autobiographischen Buch erzählt der Autor vom Aufwachsen im Frankfurter Arbeiterviertel Gallus während der NS-Zeit. Als uneheliches Kind eines jüdischen Vaters und einer alleinerziehenden christlichen Mutter ist die Kleinfamilie der offenen Verachtung und dem Hass der Nachbarn ausgesetzt. Frick erzählt von der permanenten Angst "abgeholt zu werden", von den alliierten Bombardements, vom ärmlichen proletarischen Milieu des Gallus und von seiner Mutter, die immer stärker unter der Schwere der erfahrenen Ungerechtigkeiten zu leiden hat.

'Jetzt brauchen wir aber keine Angst mehr zu haben', sagt die Mutter zu ihrem Sohn, als der Krieg vorbei ist. 'Ihr Verhalten allerdings ließ erkennen, daß sie anders empfand und in Wirklichkeit selbst nicht glaubte, was sie sagte.' Obwohl vom Nationalsozialismus befreit, sind die Nachbarn noch die gleichen geblieben. Die Verachtung für die, die ganz unten in der Gesellschaft stehen, existiert ungebrochen fort.

Hans Frick hat ein eindringliches literarisches Zeitzeugnis über Frankfurt im Nationalsozialismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit abgelegt, das heute leider weitgehend vergessen ist. Das Buch wurde 1985 von Sohrab Shahid Saless verfilmt und ist nur noch antiquarisch erhältlich."

Ausgabe der Abbildung: Hans Frick, Die blaue Stunde, Berlin-Weimar Aufbau Verlag , 1978.

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