Gemälde von Jakob Nussbaum: Blick aus dem Atelier auf den Schaumainkai in Frankfurt

Jakob Nussbaum (1873–1936)

Frankfurter Impressionist

Jakob Nussbaum war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der bedeutendste jüdische Künstler in Frankfurt. Über drei Jahrzehnte hielt er Impressionen der Stadt in seinen Bildern fest. Er beteiligte sich aktiv am kulturellen Leben von Frankfurt und schuf einzigartige Kunstwerke und Dokumente der Zeitgeschichte.

Jakob Nussbaum (1873–1936), Selbstbildnis
Jakob Nussbaum (1873–1936), Selbstbildnis

Jakob Nussbaum wurde 1873 in Rhina (Oberhessen), geboren. Seine Eltern betrieben eine Branntweinherstellung und eine Mazzebäckerei. Nachdem der Vater durch eine Fehlinvestition sein Vermögen verloren hatte, zog die Familie 1883 nach Frankfurt. Hier begann Jakob Nussbaum zunächst eine kaufmännische Ausbildung in einem Kolonialwarengeschäft. Sein Interesse galt jedoch mehr der Kunst und er konnte seine Eltern davon überzeugen, ihm eine Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in München zu ermöglichen.

Studienjahre und die Entdeckung der Freilichtmalerei

Um sich auf die Aufnahme an der Akademie vorzubereiten, besuchte Jakob Nussbaum 1893 zunächst die Privatschule des ungarischen Malers Simon Hollòsy. Durch ihn entdeckte Nussbaum den Impressionismus. Er knüpfte Kontakte zu den Berliner Galeristen Bruno und Paul Cassirer, die berühmte französische Impressionisten vertraten. Anfang 1900 präsentieren sie Nussbaums Werke in einer Gruppenausstellung. In Berlin lernte Nussbaum auch seinen Freund Max Liebermann kennen, der seinen weiteren künstlerischen Werdegang maßgeblich beeinflusste. Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt wurde Nussbaum zu einem Verfechter des Impressionismus.

Rückkehr nach Frankfurt und der berufliche Erfolg

1903 entstand das Gemälde Mainufer mit Blick auf die Alte Brücke. Die Straßenszene gibt die stimmungsvolle Atmosphäre am Frankfurter Mainufer als ein Naturerlebnis wider. Damit fand Nussbaum zu einer künstlerischen Sprache, die seinen Ruhm begründete. 1904 trat Nussbaum der Berliner Secession bei, 1907/08 dem Frankfurt-Cronberger-Künstlerbund, der ersten Frankfurter Secession. Sein beruflicher Erfolg ermöglichte Nussbaum in den folgenden Jahren zahlreiche Reisen. Er besuchte Tunesien, Teneriffa, Madeira und veröffentlicht seine Reiseberichte unter anderem in der Frankfurter Zeitung.

Erster Weltkrieg und Privatleben

Jakob Nussbaum (1873–1936), Landschaft in Frankreich, Erster Weltkrieg, Lithographie
Jakob Nussbaum (1873–1936), Landschaft in Frankreich, Erster Weltkrieg, Lithographie

Im Dezember 1914 wurde Jakob Nussbaum als Soldat in den Ersten Weltkrieg eingezogen und 1915 an die Westfront versetzt. Ein Jahr später kam er als Kriegsmaler nach Frankreich. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Stadt- und Landschaftsansichten. Bei einem Heimaturlaub heiratete er Marie Grünbaum, mit der er mehrere Kinder hatte. In zahlreichen Bildern portraitierte er seine Familie.

Jakob Nussbaum in einem Brief an seinen Freund Dr. Alfred Oppenheimer vom 13. März 1934

"Wir alle sind schon lange nicht mehr die Leute aus der Paul-Ehrlich-Straße."

Abschied und Neuanfang

1932 wurde Nussbaum als Kunstprofessor an die Städtische Kunst- und Gewerbeschule Städel berufen und bekam ein Meisteratelier im Liebieghaus. Im Jahr darauf begann mit der nationalsozialistischen Machtübernahme die systematische Diskriminierung und Entrechtung von Juden in Deutschland. Am 15. April verlor Nussbaum seine Professur an der Städelschen Kunstschule und sein Atelier. Er entschloss sich daher, in das Britische Mandatsgebiet Palästina auszuwandern. Am 9. Oktober 1933 reiste Jakob Nussbaum mit seiner Familie nach Marseille und bestieg dort ein Schiff nach Haifa.

Nussbaums Emigration in das Britische Mandatsgebiet Palästina bedeutete einen radikalen Einschnitt in seinem privaten und beruflichen Leben. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich rasch, künstlerisch Entwicklungsmöglichkeiten hatte er keine mehr. Er zeichnete und malte immer seltener. Am 14. Dezember 1936 wurde Jakob Nussbaum in eine Klinik eingeliefert und erlag fünf Tage später einer unheilbaren Krankheit.