Fassbinder Bühnenbesetzung 1985: Ignatz Bubis und andere Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Frankfurt bei der Bühnenbesetzung von „Der Müll, die Stadt und der Tod“ am 31. Oktober 1985. © Deutsches Theatermuseum München / Archiv Abisag Tüllmann.
Rückblick

Igatz Bubis (1927-1999)

Ein jüdisches Leben in Deutschland / 17.05.2007 - 11.11.2007

Überlebender. Unternehmer. Repräsentant. Frankfurter. Visionär. Jude. Deutscher. Ausgehend von den politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, an denen Ignatz Bubis beteiligt war, zeigt die Ausstellung im Jüdischen Museum wichtige Stationen aus dem Leben des ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. In einem medial umgesetzten Konzept lässt sie Freunde, Kritiker und Weggefährten zu Wort kommen. Anlass der Ausstellung ist der achtzigste Geburtstag von Ignatz Bubis im Jahr 2007.

Wie keine andere jüdische Persönlichkeit hat Ignatz Bubis das öffentliche Leben in Deutschland nach 1945 geprägt. Er war Überlebender des Holocaust, Unternehmer in der Nachkriegszeit, Funktionär der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und von 1992 bis 1999 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. In seiner Biographie spiegeln sich wie in einem Brennglas die fundamentalen Entwicklungen und Konflikte der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft. Mit seinem Selbstverständnis als "deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" betonte Bubis die Zugehörigkeit von Juden zur deutschen Gesellschaft auch nach dem Holocaust. Er trat dafür ein, dass sich die jüdische Gemeinschaft dauerhaft auf ein Leben in Deutschland einlassen und sich stärker nach außen öffnen sollte.

In konsequenter Umsetzung dieser Devise wirkte er auch als Frankfurter Kommunalpolitiker und als Mitglied des FDP-Bundesvorstandes. Mit seinem Engagement als Unternehmer geriet er in die Konfliktlinien der Frankfurter Stadtpolitik, wie im Westend-"Häuserkampf" 1969–1976. Als jüdischer Gemeindevertreter hatte er teil an wichtigen öffentlichen Debatten wie der Fassbinder-Kontroverse 1985 und dem Börneplatz-Konflikt 1987. Als Mahner zu gegenseitiger Toleranz und Warner vor Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit wurde ihm immer mehr die – von ihm selbst als problematisch empfundene – Rolle einer "moralischen Instanz" im wiedervereinigten Deutschland zugewiesen. Sein Vertrauen in die Stabilität der deutschen Demokratie fand im Ausland große Beachtung, stieß aber auch auf Kritik. Die letzten Monate seines Lebens waren gezeichnet von Enttäuschung und Resignation: Die Rede Martin Walsers in der Paulskirche 1998 und die Beifallsbekundungen der intellektuellen Elite Deutschlands für den Redner hatten Bubis schwer getroffen. Erst unlängst flammte die Kontroverse um die anschließende Begegnung von Walser und Bubis wieder auf. Bubis resümierte kurz vor seinem Tod, er habe "fast nichts" in seinem Leben bewirkt – ein sehr subjektives Fazit, das der Wirklichkeit in keiner Weise gerecht wird.

Zur Ausstellung erscheint im Jüdischen Verlag / Suhrkamp ein Begleitbuch zum Preis von 25 Euro.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm aus Filmen, Vorträgen und Diskussionen bietet die Möglichkeit, Gesehenes zu vertiefen.

Wir danken für die freundliche Unterstützung durch:
B. Metzler seel. Sohn & Co.
Bundesministerium des Innern
Dezernat für Kultur und Wissenschaft
Friedrich Naumann Stiftung
Georg und Franziska Speyer'sche Hochschulstiftung
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
Zentralrat der Juden in Deutschland

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum Frankfurt

Heute geschlossen

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