Erna Pinner: Die Stadt Tetuan (Mexiko), Tuschezeichnung, 1926
Ausstellungsvorschau

Entdeckt – Erforscht – Gezeigt!

Vier Frankfurter Künstlerinnen / 01.11.2022 - 26.03.2023

Das Jüdische Museum Frankfurt plant für den Herbst 2022 eine Ausstellung über vier Frankfurter Künstlerinnen, die heute beinahe vergessen sind. (Laufzeit noch offen)

In den letzten Jahren rückten in Museumsausstellungen immer wieder Künstlerinnen in den Fokus, die während der NS-Zeit ins Exil gingen und aus dem internationalen Kunstfokus der Nachkriegszeit verschwanden (Lotte Laserstein) und/oder deren Kunst nicht zu den Avant-Garden der Nachkriegszeit gehörten (Ottilie W. Röderstein). 

Das Jüdische Museum Frankfurt sieht einen seiner wichtigsten Sammlungsschwerpunkte im Aufspüren, Sammeln und Erforschen von Frankfurter jüdischen Künstlern der sogenannten „verlorenen Generation“. Schon in den ersten Jahren seiner Gründung hat das Museum Künstler, die nach 1933 Frankfurt verlassen mussten, wiederentdeckt und dem Publikum neu präsentiert (Samson Fritz Schames (1989), Hanns Ludwig Katz (1992)). Nun widmet sich das Museum vier Frankfurter Künstlerinnen, die das künstlerische Leben im Frankfurt der 1920er Jahre prägten und sich durch ihre kosmopolitische Lebensweise neben ihren männlichen Kollegen zu behaupten wussten. Sie genossen einen großen Bekanntheitsgrad, doch die Machtübernahme der Nationalsozialisten bereitete ihren Karrieren ein Ende, und auch nach der Schoah geriet ihr Leben und Schaffen in Vergessenheit.

Die geplante Ausstellung macht es sich zur Aufgabe die Karrieren der Künstlerinnen Erna Pinner (1890, Frankfurt a.M. – 1987, London), Rosy Lilienfeld (1896, Frankfurt a.M. – 1942, Auschwitz), Amalie Seckbach (1870, Hungen – 1944, Theresienstadt) und Ruth Cahn (1875, Frankfurt a.M. – 1966, Frankfurt a. M.) gebührend zu würdigen und sie im Kontext ihrer Zeit zu verorten. Während einzig das Werk der Künstlerin Erna Pinner teilweise erforscht wurde, sollen neue Einblicke in ihr Leben und Werk durch bisher unbekannte  Zeichnungen und Fotografien gegeben werden. Das Jüdische Museum Frankfurt besitzt über 400 Zeichnungen der Künstlerin Erna Pinner, die 2014 als Schenkung aus dem Nachlass in das Jüdische Museum Frankfurt kamen. Es ist seitdem der einzige Ort an dem in dieser großen Zahl Werke dieser Künstlerin bewahrt werden. 

Das Werk von Rosy Lilienfeld ist erst durch die Sammeltätigkeit im Jüdischen Museum entdeckt worden und wird allmählich erschlossen. Mit rund 100 Zeichnungen und Grafiken dieser Künstlerin ist das Jüdische Museum Frankfurt der einzige Ort, an dem Werke in diesem Umfang gesammelt werden.

Zu den Künstlerinnen Ruth Cahn und Amalie Seckbach sind nur sehr wenige Werke und Dokumente erhalten. Aber gerade diese Fehlstellen sind bezeichnend und werden in der Ausstellung sichtbar gemacht: Eine zeitgenössische Künstlerin wird mit der Bearbeitung des vorhandenen Materials und der Umsetzung in eine digitale Visualisierung beauftragt.

Kuratorin: Dr. Eva Atlan
Co-Kurator*innen: Annika Friedman, Dennis Eiler

Amalie Seckbach (1870-1944)

Foto der Frankfurter Künstlerin Amalie Seckbach (1870-1944)
Wir suchen nach Werken der Frankfurter Künstlerin Amalie Seckbach (1870-1944)

Die deutsch-jüdische Künstlerin war 1902 mit ihren Eltern aus dem hessischen Hungen nach Frankfurt am Main gezogen. Sie hatte, inspiriert durch fernöstliche Philosophie und Religion, eine Sammlung von chinesischen Farbholzschnitten aufgebaut, die in Fachkreisen schon Anfang des 20. Jahrhunderts hochgelobt wurde. Erst spät, nach dem Tod ihres Mannes, des Architekten Max Seckbach (1866-1922), begann sie als Malerin und Bildhauerin zu arbeiten. 

Ihre Plastiken konnte sie bereits 1929 in einer Ausstellung mit James Ensor (1860-1949) im Musée des Beaux-Arts ausstellen und nahm in Paris an Ausstellungen im Salon des Indépendants teil. Ab 1933 konnte sie in Deutschland nur noch beim Jüdischen Kulturverein oder im Ausland ausstellen, bspw. 1936 am The Art Institute of Chicago. 1941, als die Verfolgungen durch das NS-Regime verheerende Ausmaße annahmen, beschloss Amalie Seckbach Deutschland zu verlassen, wurde jedoch im September 1942 verhaftet und in das KZ-Theresienstadt deportiert. Hier malte sie mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln weiter, starb jedoch im August 1944 den Folgen der Inhaftierung.

Wir suchen nach weiteren Informationen über diese vergessene Künstlerin und nach ihren Werken. Wenn Sie welche kennen, dann nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf! Kontakt: eva.atlan@stadt-frankfurt.de 

Erna Pinner (1890, Frankfurt a.M. – 1987, London)

Die Ausstellung möchte schwerpunktmäßig zwei grundverschiedene Lebens- und Werkphasen gegenüberstellen, wobei Erna Pinner sowohl als Zeichnerin als auch Autorin im Vordergrund stehen soll. In den 1920er Jahren gewann sie öffentliche Anerkennung mit den Werken wie z.B.in „Das Schweinebuch“ (1922), „Eine Dame in Griechenland“ (1927), „Ich reise um die Welt“ (1931). Bücher, die durch ihre Illustrationen, ganz eigenständig sind, fern des Einflusses  ihres Partners Kasimir Edschmid, in denen sie zu einem grafischen Stil mit präziser und eleganter Linienführung findet und Gesehenes und Erlebtes zusammen mit dem Text spürbar macht.

Nach ihrer Emigration nach London 1935 entwickelte sie einen neuen Stil der naturwissenschaftlichen Illustration, in dem sie mit fast fotografischer Detailtreue Volumen, Proportionen und Texturen wiedergeben konnte. Sie studierte Zoologie an der Universität und belegte Grafikkurse. Ihre Publikationen nach dem Krieg beschäftigen sich mehr und mehr mit der Geschichte der Arten. Zwei Bücher vor allem aus ihrer Zeit nach der Emigration geben ihre spezifische Mischung aus künstlerischen Blick und naturwissenschaftlichen Studium besonders eindrücklich wieder: „Curious Creatures“ (1951, 1953 in deutscher Sprache) und „Born Alive“ (1959).

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum Frankfurt

Heute geöffnet: 10:00 – 18:00

  • Museumsticket (Dauerausstellung Jüdisches Museum+Museum Judengasse) regulär/ermäßigt
    12€ / 6€
  • Kombiticket (Wechselausstellung + Museumsticket) regulär/ermäßigt
    14€ / 7€
  • Wechselausstellung regulär/ermäßigt
    10€ / 5 €
  • Frankfurt Pass/Kulturpass/Geflüchtete
    1€
  • Am letzten Samstag des Monats
    Frei
  • (ausgenommen Teilnehmer gebuchter Führungen)

  • Eintritt nur Gebäude (FLOWDELI/Museumshop/Bibliothek)
    Frei
  •  

  • Freien Eintritt genießen:

  • Mitglieder des Fördervereins

  • Geburtstagskinder jeden Alters

  • Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre

  • Studenten der Goethe-Uni / FH / HfMDK

  • Inhaber von Museumsufer-Card oder Museumsufer-Ticket (deren Gültigkeit wurde automatisch um die Schließzeit im Lockdown verlängert)

  • Mitglieder von ICOM oder Museumsbund

  •  

  • Ermäßigung genießen:

  • Studenten / Auszubildende (ab 18 Jahren)

  • Menschen mit Behinderung ab 50 % GdB (1 Begleitperson frei)

  • Wehr- oder Zivildienstleistende / Arbeitslose

  • Inhaber der Frankfurt Card

Link zum Standort Link zum Standort

Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt am Main

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